DOM   ¾  Haus meines Herzens

hier: gesprochen vom Autor und auf der Gitarre gespielt (aus:BWV 998 Es-Dur) von Magnus Panek

 

 

 

I. Ebene

 

Auf der weiten Fläche gewinnt mein Blick an Ruhe und Bedeutungskraft; er wird langsamer, reifer und erfüllter; Mein Blick wird nicht gezügelt, noch verliert er sich. Ich bin in der Übung einer Haltung, die Weite trägt und Weite aushält, die Haltung der Offenen, die Blickshaltung der Ebene.

 

 

 

II. Kontur

 

Wie der Wirbel des Wassers, die mäandrierende Figur des Bachlaufes, so gewinnt ein Spiel an Raum; es ist das Erstehen des Wechsels, der Anschauung, der Reflexion über die Grade des Verdichtens; zur Schau entsteht geheimnisvoll die Urform, zum Bau der Gebilde, im fließenden Entstehen, Werden und Vergehen.

 

 

 

III. Verfremdung

 

Und Gewebe über Gewebe entsteht in den Zeiten; Tuch auf Tuch bedeckt, verbirgt und letztlich verhüllt den Neubeginn der Schönheit aus dem Raum des Nichts; und hier gilt das Warten und Gedulden; fassungslos, in der schweigenden Haltung des Erbetens, des Gebets einer werdenden Offenbarung, zu-wieder einer Botschaft, die Essenz leuchten lässt.

 

 

 

IV. Armut

 

Leer zu sein, schier verbrannt von verbrauchten Deutungen, wortlos und nichtwissend der Gewalt der Turbulenzen gegenüber stirbt da-selbst der Flügelschlag mit den Gazetten. Still.

 

 

 

 

V. Keimendes

 

Aus dem Murmeln des Gewässers am Morgen, nach der Nacht entspinnt sich ein Lied. Das Lied kommt und findet seinen Ort im Herzen. Die Türe öffnet  aus verräumten Orten ¾ mit Hilfe einsprechender Boten.

 

 

VI. Reichen

 

Und da beginnt das Tönen und das Worten stärker zu werden, die Wahrsage bricht sich nicht an den Felsen; sie erhebt und klärt. Die einsagenden Stimmen lassen die Ebenen der Welt als wirkendes Gleichnis auferstehen;  und geschwisterlich finde ich an-aller-Orten ein Du, welches im Gehör Dir, dem Unsagbaren schwingend folgt!

 

 

 

VII. Erschritten

 

Mit dem Chor der Stimmen wird es still und manifest im streichenden Formen der Figuren; ¾ eine Ordnung als Geschenk, die das Paradoxon von Freiheit und Gestalt erträgt und im Schreiten sich bewährt; nomadenhaft und weiter dem Menschen-Sein ¾ zu.

 

 

 

VIII.

 

Die Kristallwelt fordert Alles; sie erfordert Dich zur Reine, zur Zartheit und ohne Zögern der unsagbaren Schönheit zu folgen, die Liebe meint.

 

 

 

 

(Michael Stoll, November 2004)