Haus des Herzens
I. Ebene
Auf der weiten Fläche gewinnt
der Blick an Ruhe und Bedeutungskraft; er wird langsamer, reifer und erfüllter;
Mein Blick wird nicht gezügelt, noch verliert er sich. Ich bin in der Übung
einer Haltung, die Weite trägt und Weite aushält, die Haltung der Offenen, die
Blickshaltung der Ebene.
II. Kontur
Wie der Wirbel des Wassers,
die mäandrierende Figur des Bachlaufes, so gewinnt ein Spiel an Raum; es ist
das Erstehen des Wechsels, der Anschauung, der Reflexion über die Grade des
Verdichtens; zur Schau entsteht geheimnisvoll die Urform, zum Bau der Gebilde,
im fließenden Entstehen, Werden und Vergehen.
III. Verfremdung
Und Gewebe über Gewebe
entsteht in den Zeiten; Tuch auf Tuch bedeckt, verbirgt und letztlich verhüllt
den Neubeginn der Schönheit aus dem Raum des Nichts; und hier gilt das Warten
und Gedulden; fassungslos, in der schweigenden Haltung des Erbetens, des Gebets
einer werdenden Offenbarung, zu-wieder einer Botschaft, die Essenz leuchten
lässt.
IV. Armut
Leer zu sein, schier
verbrannt von verbrauchten Deutungen, wortlos und nichtwissend der Gewalt der
Turbulenzen gegenüber stirbt da-selbst der Flügelschlag mit den Gazetten.
Still.
V. Keimendes
Aus dem Murmeln des Gewässers
am Morgen, nach der Nacht entspinnt sich ein Lied. Das Lied kommt und findet
seinen Ort im Herzen. Die Türe öffnet
aus verräumten Orten ¾ mit Hilfe einsprechender Boten.
VI. Reichen
Und da beginnt das Tönen und
das Worten stärker zu werden, die Wahrsage bricht sich nicht an den Felsen; sie
erhebt und klärt. Die einsagenden Stimmen lassen die Ebenen der Welt als
wirkendes Gleichnis auferstehen; und
geschwisterlich finde ich an-aller-Orten ein Du, welches im Gehör Dir, dem
Unsagbaren schwingend folgt!
VII. Erschritten
Mit dem Chor der Stimmen wird
es still und manifest im streichenden Formen der Figuren; ¾ eine Ordnung als Geschenk, die das Paradoxon von
Freiheit und Gestalt erträgt und im Schreiten sich bewährt; nomadenhaft und
weiter dem Menschen-Sein ¾ zu.
VIII.
Die Kristallwelt fordert
Alles; sie erfordert Dich zur Reine, zur Zartheit und ohne Zögern der
unsagbaren Schönheit zu folgen, die Liebe meint.
(Michael Stoll , www.michaelstoll.de)